Die Wortkategorie Adverb gibt einem Satz eine gewisse Nuance, indem sie beispielsweise die Aussage verschleiert, dekoriert oder präzisiert (ich gehe nach Japan → ich gehe vielleicht nach Japan; ich gehe gern nach Japan; ich gehe jedes Jahr nach Japan). Im Japanischen ist das Adverb unveränderlich (unflektierbar) und kann weder ein Subjekt noch ein Prädikat ausmachen. Die Stellung des Adverbs im Satz richtet sich wie im Deutschen nach dem Kontext (ich gehe gern nach Japan; gern gehe ich nach Japan; nach Japan gehe ich gern). Das japanische Adverb kann man oft daran erkennen, dass es von keinem Partikel begleitet wird. In dieser Lektion werden einige zeitbezogene Adverbien eingeführt.
まだ
| まだビールを |
Trinken sie noch Bier? Ja. |
まだ bedeutet, zeitlich verwendet, „noch“ oder „erst“ und zeigt somit eine Handlung oder einen Zustand an, der noch nicht abgeschlossen, also noch im Gange ist.
Beispiele:
Herr Mori ist noch (oder: erst) Student.
Werden Sie noch Kaffee trinken? Ja, ich trinke ihn noch.
Ich werde noch nicht nach Japan fahren.
まだ
Werden Sie noch (weiter) essen? Ja, ich werde noch (weiter) essen.
Im Gegensatz zum Deutschen wird eine Frage, die in der Vergangenheit steht („Haben Sie ... getan?“), im Japanischen nicht immer entsprechend in der Perfektform beantwortet. Das ist nur dann der Fall, wenn durch die Antwort das noch nicht Geschehene („Nein, ich habe noch nicht... getan“) ausgesprochen wird, also die Frage negativ beantwortet werden soll. Für den Japaner kann eine Antwort, die das Nicht-Geschehen aufzeigt, logischerweise auch nicht in der Perfektform stehen, da sie außerhalb des Begriffs des Tempus steht. Das erfragte Geschehen ist sozusagen noch nicht existent. Aus diesem Denken heraus lautet die Übersetzung des „noch nicht getan habens“ nicht etwa „mada...masen deshita“ (das ist kein Japanisch!!), sondern „mada desu“. (korrekt heißt es: mada...te imasen; → Lektion 11) Allerdings können wir diese Denkweise im Rahmen des Gelernten leider noch nicht sprachlich realisieren. Ein Dialog wie „gohan o tabemashita ka. iie, mada tabemasen.“ („Haben Sie gegessen? Nein, ich habe noch nicht gegessen“) klingt höchst unjapanisch. (Die Antwort „iie, mada tabemasen deshita.“ wäre wie gesagt grammatikalisch völlig falsch.) Für eine korrekte Antwort benötigen wir eine Form, die wir erst in der 11. Lektion kennenlernen werden. Als Überbrückung für die uns noch unbekannte Form können wir eine Antwort wählen, bei der das in Frage kommende Verb einfach weggelassen wird. Konkret hieße das bei der Frage:
„gohan o tabemashita ka. iie, mada desu.“ („Haben Sie gegessen? Nein, noch nicht.“).
Bei der positiven Antwort auf dieselbe Frage gibt es keinerlei Schwierigkeiten, da sich die deutsche Betrachtungsweise (Tempus der Frage muss sich mit dem Tempus der Antwort decken) mit der Japanischen („Ist etwas geschehen?“ „Ja, es ist etwas geschehen.“) deckt: gohan o tabemashita ka. hai, tabemashita.
Allgemein formuliert, antworten Sie auf die Frage „Haben Sie das und das getan?“
| bei „ja“: | はい、Vました。 | |
| bei "nein": | いいえ、まだです。 |
Beispiele:
まだ
Werden Sie noch fernsehen? Ja, ich werde noch (weiter) fernsehen.
Haben Sie Radio gehört? Nein, noch nicht.
まだ
Werden Sie noch lernen. Ja, ich werde noch weiter lernen.
もう
| まだ |
| Trinken Sie noch weiter Bier? Nein, nicht mehr. |
もう entspricht bei positiven Sätzen dem deutschen „schon“, „bereits“, bei verneinten Sätzen dem „nicht mehr“.
Beispiele:
Herr Weber schreibt bereits Kanji.
Wird die Bahn kommen? Nein, sie wird nicht mehr kommen.
Ich bin kein Student mehr.
ご
Haben Sie (schon etwas) gegessen? Ja, ich habe schon (was) gegessen.
それから、
Und haben Sie schon Kaffee getrunken? Nein, noch nicht.
Unterscheidung von mada und mō
Sehr häufig werden mada und mō vom Lernenden verwechselt. Als Eselsbrücke könnte man sich einprägen:
„mō“ wird so lang ausgesprochen wie „sch-o-n“.
beachte ferner: So etwas wie ein „mō desu“ im Sinne von „schon etwas getan“ existiert nicht!
いつも
| Herr Mori trinkt immer Bier. |
いつも entspricht deutschen „immer“ oder „ständig“. Nach unserem jetzigen Kenntnisstand wird „itsumo“ in Verbalsätzen verwendet. (Nominalsätze mit „immer“ sind auch im Deutschen eine Seltenheit, Adjektivsätze → Lektion 5)
Beispiele:
|
|
Ich lese immer in der Bibliothek Zeitungen. | |
| いつもどこで |
Wo kaufen Sie immer Obst ein? | |
|
|
Ich kaufe es immer im Supermarkt. |
beachte:
Bei Fragen, die sich auf die Häufigkeit einer Aktion beziehen, können Sie mit der Kurzform „hai, itsumo desu“ bzw. „iie, itsumo de wa arimasen/itsumo ja arimasen“ antworten.
ときどき
| Frau Mori trägt manchmal einen Rock. |
Beispiele:
| ときどき |
Ich lese manchmal ein Buch. | |
| Frau Mori fährt manch mal nach Japan zurück. | ||
| いつも |
Lernen Sie immer? | |
| いいえ、いつもじゃありません。ときどきです。 | Nein, nicht immer. Manch mal. | |
| An Wochenenden esse ich manchmal im Restaurant eine Mahlzeit. |
よく
| よく |
Ich höre oft CDs. |
よく heißt in etwa „oft“, „intensiv“ oder aber auch „gern“ (im Sinne von gut und gern). Dieses Adverb wird in aller Regel nur in Sätzen mit verbalem Prädikat eingesetzt.
| 森さんはよく |
Herr Mori trinkt oft Kaffee. | |
| よく |
Sehen Sie oft fern? Ja, ich sehe oft fern. | よく |
Ich habe gut/intensiv gelernt. |
beachte: eine Form wie „yoku desu“ existiert nicht.
- Anmelden, um Kommentare verfassen zu können
